Schülerakademie 2018

Malte Knöll, Jahrgangsstufe K2, wurde im Sommer 2018 für die Deutsche Schülerakademie als Vertreter des Bergstraßengymnasiums nominiert. Er hat sich dem Bewerbungsverfahren gestellt und wurde für einen Sommerkurs in Papenburg zugelassen. Die Schüler müssen einen nicht unerheblichen Eigenanteil der Kosten für diesen Sommerkurs übernehmen. Daher möchte ich mich im Namen der Schule beim Förderverein des Bergstraßengymnasiums für die finanzielle Unterstützung bedanken. Wie zu lesen ist: die Investition hat sich definitiv gelohnt. Ivonne Wagner

Ein Erfahrungsbericht von Malte Knöll:

„Damit du weißt, wo Dir der Kopf steht“

Als ich am 23. Juli 2018 aus dem Zug stieg, wusste ich noch nicht ganz, was mich erwarten würde. Schülerakademie – Eine richtige Vorstellung, was das ist, hatte ich damals nicht wirklich. Sind da etwa nur Streber? An der historisch ökologischen Bildungsstätte, Hoeb, in Papenburg angekommen, war es zunächst ein unbehagliches Gefühl, das allerdings schnell verflog. In der idyllischen Umgebung, was die Hoeb mit einem eigenen See, und einer tollen Naturumgebung zweifelsohne ist, traf man sofort super nette, offene und interessante Leute. Man konnte sich mit jedem der gut 90 Teilnehmer und den Kurs- und Akademieleitern über viele Themen unterhalten und fand schnell gemeinsame Interessen.

Jeder hatte sich für einen der sechs Kurse entschieden, welche vom Immunsystem über autonome Kriegsführung bis hin zu Mathematik und Informatik reichten. In meinem Kurs, dem Gradientenkurs, beschäftigten wir uns übergeordnet mit der Frage, wie Zellen wissen, welche Aufgabe sie in einem Organismus haben und wo sie überhaupt hingehören: „Damit du weißt, wo Dir der Kopf steht“. Als Vorwissen haben wir unter anderem die Entwicklung eines menschlichen Embryos und Genexpression detailliert betrachtet. Als wir herausgefunden hatten, dass Positionsinformationen im Körper oft durch Konzentrationsunterschiede verschiedener Substanzen übermittelt werden, haben wir betrachtet, wie diese Substanzen sich im Raum ausbreiten. Wir simulierten einen solchen Vorgang sogar selbst, wobei wir als Substanzen uns pro Zeitschritt eine Position in unserem aufgezeichneten Koordinatensystem nach rechts oder nach links bewegen konnten. Die Richtung wurde dabei individuell mit einem Würfel zufällig bestimmt. Die Ergebnisse dieses Experimentes werteten wir anschließend aus und rätselten dann, wie sich ein solcher Prozess wohl in größeren Maßstäben verhalten würde. Da unsere Möglichkeiten an Kursteilnehmern begrenzt war, simulierten wir dies mit einer Computersoftware. Damit ist eine Betrachtung eines Vorgangs mit einer viel höheren Substanzen-Anzahl und Zeitschritten möglich. Zuvor mussten wir selbst allerdings ein passendes Programm dafür schreiben. Es war ein interessanter Einblick in die Bioinformatik und wir stellten fest, dass es auch hier mehrere verschiedene Lösungsansätze gibt. Gegen Ende bekamen wir einen Einblick in die Immunologie und lernten Prozesse kennen, wie körpereigene Immunzellen eingedrungene Bakterien oder andere Fremdkörper aufspüren und bekämpfen. Die Themen, die wir in den knapp zwei Wochen behandelten waren super spannend und interessant. Auch die Vermittlungsansätze unterschieden sich zwischen den Einheiten, wodurch wir mehrere Lösungsmethoden kennenlernten.

Auch außerhalb der Kurszeiten war immer etwas los. Der Morgen begann um halb sieben Uhr mit einer erfrischenden Joggingrunde entlang der Papenburger Siele. Die Kurszeiten waren vormittags und am späten Nachmittag, somit war dazwischen und abends viel Raum für eigene Freizeitgestaltung. Diese Zeit wurde dann auch dicht gepackt mit sogenannten „KüA´s“ – kursübergreifenden Aktivitäten – die wir Teilnehmer uns selber ausdenken und leiten konnten oder von Kurs-, bzw. Akademieleitern angeboten wurden. So war für jeden etwas dabei: verschiedene Chöre, sportliche Aktivitäten wie Fußball oder Basketball, Freibadausflüge und Ruderbootstouren auf dem See und angrenzenden Kanälen, aber auch interessante Vorträge über künstliche Intelligenz oder Asyl- und Aufenthaltsrecht in Deutschland. Ein besonderes Highlight war die Mondfinsternis. Wir versammelten uns am Ufer des Sees und bewunderten nicht nur den rot erleuchteten Mond, sondern auch den gut sichtbaren Planeten Mars und die vorbeizischende Internationale Raumstation ISS. Wie jeden Abend entstanden währenddessen auch viele spannende, lustige, philosophische und persönliche Gespräche, bei denen man so viele freundliche, sympathische und interessante Menschen kennenlernen konnte.

Auch von der Akademieleitung wurden ein paar zusätzliche Events für alle angeboten, wie ein gemeinsames Grillen oder ein Rotationstag, an dem wir Einblicke in die anderen Kursarbeiten bekommen haben. Super war auch der Halbtagesausflug, bei dem wir uns zwischen verschiedenen Ausflugszielen entscheiden konnten. Ich konnte spannende Eindrücke zum Thema Schiffsbau, vor allem von Kreuzfahrtschiffen, in Deutschlands größten Werft, der Meyer Werft erlangen. Die Führung durch die Werft war zwar beeindruckend, allerdings wurde das Thema sehr einseitig dargestellt. Deshalb zeigte uns am Abend ein Akademieleiter auch die negativen Seiten der Kreuzfahrtschiffe und deren Produktion in Papenburg auf. Am letzten Abend fand ein gemeinsamer bunter Abend statt, wo von zum Nachdenken anregender Poetry Slam über viel Musik und Auftritten des Chors bis hin zu humoristischen Schauspielen alles vertreten war. 

Der Abschied am Ende der knapp zwei Wochen fiel sehr schwer. Auch wenn ein paar Tränen flossen, so verließen doch alle die Akademie mit vielen, ganz besonderen Erinnerungen. Damit sich jeder von jedem noch einmal verabschieden konnte, bildeten wir eine lange Verabschiedungs-Reihe mit allen Kursteilnehmern und Leitern. Nach dem letzten gemeinsamen Mittagessen reisten wir alle zurück in die unterschiedlichsten Regionen Deutschlands, aber auch nach Amerika oder Ägypten. Die Zeit in Papenburg war super schön, man konnte viele Menschen kennenlernen und hat unglaublich viel nur zwei Wochen gelernt! Vielen Dank an den Förderverein des Bergstraßen Gymnasiums Hemsbach, der meinen Workshop finanziell unterstützt hat. Dieses Erlebnis kann jedem nur ans Herzen legen, der die Chance dazu bekommt, auch wenn am Anfang ein mulmiges Gefühl herrscht: es war richtig geil!