Das KIT am Bergstraßen-Gymnasium

 

Schon einmal im Dunkeln gesehen? Boten aus dem All aus nächster Nähe wahrgenommen? Oder ein Beben im Klassenzimmer erlebt? Das klingt verrückt, aber Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse sowie die Erdkundekurse der K 1 und K 2 durften genau dies in den letzten Tagen am Bergstraßen-Gymnasium erleben. 

Schon am Ende des letzten Schuljahrs nahm das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) Kontakt zur Schulleitung auf, um das Interesse an einer Teilnahme an einem Pilotprojekt abzufragen. Zum ersten Mal wollte das KIT Studienbotschafterinnen an die Schulen entsenden, um durch spannende Experimente und Informationen aus erster Hand für naturwissenschaftliche Studien zu werben. Ganz bewusst setzte man dabei auf Studentinnen, denn bis heute ist das weibliche Geschlecht in diesen Fachrichtungen eher unterrepräsentiert.

Nachdem sich die Physik- und Erdkunde-Fachschaft bereiterklärt hatten, an diesem Projekt teilzunehmen, konnte man zu Beginn des Schuljahres in die Feinplanung gehen. 

Nach einigen Mails und Telefonaten kam es also dazu, dass zunächst Rebecca von Kuk vom KIT im Fach Physik in drei 9. Klassen und eine Woche später Ann-Kathrin Edrich im vierstünden Erdkundekurs der 11. Klasse und in den zweistünden Erdkundekursen der 12. Klasse jeweils in Doppelstunden den Unterricht übernahmen. 

Dabei setzten beide Studentinnen zwei Schwerpunkte: Im ersten eher theoretischen Teil bekamen die Schülerinnen und Schüler viele Informationen rund um das Studium der Physik bzw. der Geophysik. Natürlich machten beide Studienbotschafterinnen dies anschaulich an ihren persönlichen Beispielen fest. Sie stellten sich selbst kurz vor, beschrieben ihren Lebenslauf bis zum Studium, begründeten ihre Wahl für die jeweilige Fachrichtung und skizzierten die Organisation des Studiums.

Im zweiten praktischen Teil ging es dann um konkrete Versuche. Die 9. Klassen durften einen Blick durch eine Wärmebildkamera werfen und entdeckten dabei, wie sich Wärme bei unterschiedlichen Stoffen verhält. Je nach Material wird Wärme absorbiert, zurückgeworfen oder durchgelassen. Ein Handabdruck auf einem Tisch ist je nach Intensität noch recht lange zu sehen. Außerdem erfuhren die Gymnasiastinnen und Gymnasiasten, dass der Einsatz von Wärmebildkameras auch lebensrettend sein kann, etwa wenn die Feuerwehr in einem Haus Glutnester, Ärzte Krebs oder die Polizei Vermisste ausfindig machen müssen. 

In einem zweiten Experiment erlebten die Neuntklässlerinnen und Neuntklässler „Boten aus dem All - ein Forschungsexperiment vom Südpol in einer Kaffeekanne“. Dabei wurden Neutrinos, elektrisch neutrale Elementarteilchen, sichtbar gemacht.

Ann-Kathrin Edrich zeigte den Abiturientinnen und Abiturienten, wie man seismische Schwingungen aufzeichnen kann. Dabei schlug sie mit einem Hammer auf einen Tisch – der Seismograph reagierte. Wie wichtig solche Messungen sein können, bewiesen Bilder von Tsunamis oder Vulkanausbrüchen.

Am Ende solch eines „Versuchsballons“ gilt es dann, ein Fazit zu ziehen. Zwei kompetente und redegewandte Studentinnen hatten sympathisch und informativ dem KIT „ein Gesicht gegeben“. Das kam bei der Schülerschaft auch gut an. Aufmerksam und neugierig verfolgten sie die jeweiligen Doppelstunden. Und im Sinne der verpflichtenden Berufsorientierung mag dies ein weiterer Baustein sein, auf die Zeit nach dem Abitur vorzubereiten. Ob es dann am Ende wirklich dazu kommt, dass die „Frauenquote“ in den naturwissenschaftlichen Fächern steigt, wird die Zukunft weisen.